Donnerstag, 9. Mai 2019

Landesbibliothek

Stärkung des Bildungs-, Ausbildungs- und Wissenschaftsstandortes Liechtenstein

Landtagsvotum zum Verpflichtungskredit für den Umbau des Post- und Verwaltungsgebäudes in Vaduz für die Landesbibliothek

Um es vorweg zu nehmen: Ich werde dem Verpflichtungskredit für die Umnutzung des Post- und Verwaltungsgebäudes Vaduz für die Liechtensteinische Landesbibliothek und dem Ergänzungskredit für die Erweiterung des Dienstleistungszentrums für die Landesverwaltung zustimmen.

Ich teile die Ansicht der Regierung, dass sich mit diesem Standortwechsel neue Chancen für die Landesbibliothek ergeben. Zum einen kann das Problem der beengten Raumverhältnisse auf Jahrzehnte hinaus gelöst werden, zum anderen bietet der neue Standort Möglichkeiten, mit welchen die Bibliotheksnutzung noch weiter gesteigert und das Dienstleistungsangebot attraktiver gestaltet werden kann. Sie bekommt damit die Chance zu einer zentralen Anlaufstelle in Vaduz zu werden. Somit kann die Landesbibliothek ihre Rolle als Volksbibliothek und ihre Aufgabe als Nationalbibliothek verstärken, was für das kulturelle Verständnis und die Identität zu unserem Land nicht unerheblich ist.

Ich unterstützte die Regierung auch in ihrer Standortwahl. Das Post- und Verwaltungsgebäude ist der ideale Standort für die Landesbibliothek. Sie wird im Zentrum von Vaduz ein neues Gesicht bekommen und somit auch neue Bedeutung erlangen. Die Landesbibliothek gehört nach Vaduz. Zum einen ist sie damit zentral gelegen, zum anderen ist sie dann aber auch in jenem Ort beheimatet, an welchem sich die Universität befindet. Ich hoffe, dass der neue Standort auch zu vermehrten Synergien zwischen Universität und Landesbibliothek führen wird, welche beiden Institutionen zum Vorteil gereichen wird.

Keine Frage: Es ist ein mutiger Entscheid, den die Regierung gefällt hat und heute dem Landtag zur Beschlussfassung vorlegt. Der Jahresbericht 2018 der Landesbibliothek zeigt, dass dieser Mut gerechtfertigt ist. 116'443 Bücher wurden letztes Jahr ausgeliehen, eine Steigerung um 7.8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden 216'104 Medien ausgeliehen, was einer Steigerung von knapp 10 Prozent gegenüber 2017 gleichkommt. Die Landesbibliothek erfreut sich steigender Beliebtheit. Sie ist akzeptiert, modern ausgerichtet, wird genutzt und in Bezug auf die Digitalisierung auf dem Vormarsch.

Die Bibliotheksstrategie 2025 ist nachvollziehbar und setzt meines Erachtens die richtigen Ziele. Die Umsetzung der Strategie ist eng mit dem Bezug von neuen Räumlichkeiten verbunden. Mit dem geplanten Standortwechsel kann diese Strategie mit Leben gefüllt werden und die Bibliothek nachhaltig und zukunftsweisend ausgerichtet werden.

Dass diese Grundlagen vorhanden sind und dass es zielführend ist, die Bibliothek mit einem neuen, grösseren Standort im Zentrum von Vaduz zu stärken und zukunftsgerichtet auszugestalten, ist auch der Arbeit des Stiftungsrates um Präsidentin Christina Hilti und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Leiter Wilfried Oehry zu verdanken. Ich glaube nicht, dass wir ohne die positive Arbeit der Verantwortlichen über einen Standortwechsel und eine Stärkung nachdenken würden. Ihre Arbeit und die damit einher gehende Entwicklung der Landesbibliothek bilden das Fundament, dass überhaupt über einen Standortwechsel gesprochen wird, wofür ich mich bei allen bedanken möchte.

Der Bericht und Antrag lässt leider einige Fragen offen. Ich würde mir wünschen, dass bei solchen Investitionsprojekten die Regierung über die Ministerin hinweg denselben Qualitätsstandard ansetzt. Wenn ich an die konkreten Ausführungen in Bezug auf den Bericht zur Infrastruktur Landesspital denke und berücksichtige, dass der Landtag dann trotzdem noch weitere Detailabklärungen von der Regierung wünschte, dann wäre dieser Bericht geradezu prädestiniert, von der Regierung weitere Abklärungen und Detailinformationen zu verlangen. Im Vergleich zum Bericht Landesspital erscheint dieser Bericht sehr oberflächlich.

Beispielsweise ist die Regierung von ihrem noch letzten August kommunizierten Konzept der gemeinsamen Nutzung des Post- und Verwaltungsgebäudes für die Bibliothek und die Landesverwaltung abgerückt. Leider finden sich im Bericht und Antrag keinerlei Angaben, weshalb die Regierung diesen Meinungsumschwung vollzog. Solche Informationen würde ich in einem solchen Bericht eigentlich erwarten. Ich bitte die Regierung hierzu Angaben zu machen, weshalb sich der heutige Antrag wesentlich von dem letzten August vorgestellten Projekt unterscheidet. Worin liegen die Gründe für die Konzeptänderung?

In Bezug auf die Kosten finden sich keine Angaben zur Finanzierung des Umzugs der Landesbibliothek. Weshalb wurden diese nicht in den Finanzbeschluss integriert? Mit welchen Kosten ist für den Umzug zu rechnen? Wird die Landesbibliothek diese Kosten selbst tragen können oder wird mittelfristig dem Landtag einen Finanzbeschluss hierzu vorgelegt werden müssen? Auch wenn es sich hierbei vermutlich im Verhältnis zum Gesamtbetrag um eine kleine Position handelt, gehören solche Angaben für mich in einen solchen Bericht.

Die Gemeinde Vaduz unterstützt die Dislozierung der Landesbibliothek mit drei Millionen Franken. Im Gemeinderatsprotokoll zur Gemeinderatssitzung vom 26. März 2019 kann jedoch auch nachgelesen werden, dass die Gemeinde wünscht, dass die Regierung hinsichtlich ihres Bericht und Antrags vertieft abklären soll, ob es Miet- und/oder Nutzungsvarianten gäbe für die Dislozierung des Liechtenstein Centers, des Jugendtreffs ‘Camäleon’ oder hinsichtlich einer musealen Nutzung wie beispielsweise Uhren- oder Polizeimuseum. Auch in Bezug auf das Dachgeschoss wünscht der Gemeinderat von Vaduz die Prüfung zur Nutzung als Café oder Restaurant mit grosszügiger Dachterrasse.

Im gesamten Bericht und Antrag findet sich kein Wort zu den Ausführungen des Gemeinderates von Vaduz, obwohl dieser wünschte, dass im Zuge des Berichtes und Antrags dies vertieft abklärt werden soll. Das Geld nimmt man gerne, aber weitere Prüfungen werden im Bericht und Antrag - obwohl vom Geldgeber gewünscht - komplett negiert.


Auf ausschliesslich Abklärungswünsche einer Gemeinde, welche wohlgemerkt drei Millionen Franken zum Projekt beisteuert, mit keinem Wort einzugehen, ist meines Erachtens nicht die feine Art. Ich bitte die Regierung zu den Abklärungswünschen des Gemeinderates von Vaduz Ausführungen zu machen. Wurden überhaupt Abklärungen getätigt?

Wir haben heute über gesamthaft CHF 36.3 Mio. Franken zu befinden. Keine Frage, ein stolzer Betrag, den es jedoch zu relativieren gilt. CHF 17.2 Mio. Franken hätten für die Sanierung des Post- und Verwaltungsgebäudes ohnehin aufgewendet werden müssen. Sozusagen netto haben wir über einen zusätzlichen Finanzbedarf von rund 19 Mio. zu befinden. Zu berücksichtigen gilt, dass mit dem Wegfall der Mietverhältnisse am Gewerbeweg und an der Pflugstrasse jährlich CHF 650'000.-- eingespart werden können.

Dafür bekommen wir zweierlei:
Zum einen eine optimale Nutzung der Bauparzelle für das Dienstleistungszentrum der Landesverwaltung. Ich finde es sinnvoll, dass die Regierung sich dazu entschieden hat, die Möglichkeiten dieser Parzelle in Vaduz optimal auszuschöpfen. Besser vor dem Neubau die Planung abändern bzw. anpassen, als in ferner Zukunft feststellen, dass eine Chance verpasst wurde. Eine nachträgliche Aufstockung würde sicher einiges teurer werden.

Zum andern bekommen wir eine moderne und stark frequentierte Landesbibliothek, welche den Namen ‘Volksbibliothek’ zu Recht trägt. Die Regierung zieht in ihrem Bericht einen Vergleich zur Kantonsbibliothek St. Gallen, welche nach der Eröffnung des neuen Standortes einen Anstieg an Ausleih- und Besuchervolumen verzeichnen konnte. Ich bin überzeugt, dass sich eine solche Entwicklung auch in Liechtenstein einstellen wird. Dies würde dem gesamten Land zum Vorteil gereichen. Denn Leistungen der Bibliotheken sind Dienstleistungen, die im Interesse der Allgemeinheit zum Zweck der Förderung von Kultur, Bildung und Wissenschaft erbracht werden. Und diese Förderung zu stärken ist im Interesse des gesamten Landes, weshalb dieser Verpflichtungskredit nicht nur ein Investitionsprojekt darstellt, sondern mit ihm zugleich eine Stärkung des Bildungs-, Ausbildungs- und Wissenschaftsstandortes Liechtenstein einhergeht, welcher man sich nicht verschliessen sollte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen